Bayern gegen Leverkusen - Arbeitsunentschieden?
Gibt es so etwas wie ein Arbeitsunentschieden? Dann müsste man das heute wohl so nennen. Als Fan der Bayern muss man sagen, dass Hopfen und Malz wohl noch nicht ganz verloren sind, wenngleich die Probleme offensichtlich sind. Wieder einmal konnten die Bayern stark beginnen und durch ihren Einsatz trotz häufiger Einzelfehler überzeugen. Man hat ihnen in den ersten 10 Minuten den Siegeswillen angemerkt. Man konnte sich einbilden, dass die Mannschaftsbesprechung, die offenbar ohne Trainer stattgefunden hat, ihre Wirkung zeigt.
Aber dann - nach dem Führungstreffer in der 8. Spielminute kam in der 12. Minute direkt das Gegentor und dahin war's mit der Freude. Kurz nach dem Ausgleich beherrschten die Leverkusener das Spiel und konnten mit den Bayern fast machen was sie wollten. Ein Glück, dass durch Abseitstellung ein frühes zweites Gegentor verhindert wurde. Im großen und ganzen ist das Ergebnis wohl als "na gut, okay" einzustufen - schließlich hat man gegen einen Tabellenführer gespielt, der nach nun 13 Bundesligaspielen immer noch ungeschlagen ist. Die komplette Medienwelt (inkl. Doppelpass heute Vormittag und T-Home-Kommentatoren und -Moderatoren haben schon mal van Gaal hinsichtlich der zu erwartenden Niederlage totgesagt).
Das eigentlich schlimme am heutigen späten Nachmittag waren die teilweise desaströsen Einzelleistungen an den wichtigsten Positionen:
- van Bommel: Unsicher, unnötige Ballverluste, Fehlpässe, läuft defensiv nur dem Gegner hinterher.
- van Buyten & Demichellis: nicht schlecht, aber auch nicht gut. Beide ebenfalls unsicher mit einigen dicken Schnitzern
- van Schweinsteiger: Fehlpässe ohne Ende, keine Flanken, keine Kreativität
- Tymoshtschuk: Erneuter defensiver Totalausfall mit zwei dicken offensiven Chancen, die er nicht verwerten konnte.
- Müller: Heute ein Ausfall (~65. Minute ausgewechselt gegen Olic)
- Gomez: Anfangs gut, sehr aktiv, hat in der Rückwärtsbewegung gut mitgearbeitet. Spätestens ab der 2. Halbzeit fast nicht mehr sichtbar.
Es wird immer klarer, dass das zentrale Mittelfeld der Bayern den Ansprüchen nicht gewachsen ist. Spielt man stark offensiv ausgerichtet, wie es zu Beginn der Fall war, dann fehlt einfach defensive Unterstützug durch die beiden Sechser. Bommel und Tymo waren hier heute keine große Hilfe und haben die Innenverteidigung oft genug alleine gelassen und so den Leverkusener große Chancen ermöglicht. Trotzdem konnten sie offensiv kaum Akzente setzen. Ein frustrierter Sturmlauf von van Bommel (der einzige?) endete mit einem Ballverlust am Sechzehner, für den der Holländer mit viel Glück noch einen Freistoß bekommen hat. Offensivvorstöße von Tymo gab es ebenso selten. Zwei Schüsse gab es vom Rande der Box, von denen er nur einen auf's Tor bringen konnte, den Adler aber sensationell hielt. Kreativität ist von den beiden 6ern definitiv nicht zu erwarten und genau da fehlt es den Bayern. Es fehlen einfach 1-2 gute zentrale Mittelfeldler die Allrounder genug sind um offensiv zu wirken und defensiv auszuhelfen. Bezeichnend ist, dass Alexander Baumjohann nach seiner Einwechslung (ca. 75. Minute) deutliche Akzente setzen konnte, wenngleich natürlich 15 Minuten Einsatzzeit nach vielen Wochen keine Wunder bewirken können. Toni Kroos hat einstweilen auf der Gegenseite ein Bewerbungsspiel abgeliefert, dass er eigentlich gar nicht braucht. Hoeneß hat in dieser Woche über die Presse klar gemacht, dass er bei Bayern unter Vertrag steht und unverkäuflich ist - gut so.
Inwieweit nun an der mittelmäßigen Leistung des FC Bayern München dem Trainer die Schuld zu geben ist bleibt fraglich. Sicherlich ist das Chaos um die verschiedenen Formationen und Aufstellungen mit Schuld daran, dass bis heute keine Linie zu erkennen ist und man klar merkt, dass die Spieler sich untereinander wenig bis gar nicht einig sind. Aber dafür kann der Trainer sicher nur bedingt etwas. Zum Anfang der Saison hat das Personal für 4-3-3 gefehlt, dann hat man es gekauft - jetzt ist es verletzt. Da trägt der Vorstand durch die Einkaufspolitik der letzten Jahre sicherlich eine Teilschuld dran - und auch durch die Tatsache, dass man sich jetzt mit der Brechstange auf 4-3-3 einstellen wollte, was man nun offenbar wieder zurückgenommen hat und diesbzgl. sogar den Trainer öffentlich bloßstellt. Fragwürdiges vorgehen.
Ich glaube ja, dass ein Trainerwechsel in der aktuellen Situation am wenigsten bringen würde. Wenn man die Mannschaft im Winter nicht sinnvoll verstärkt und bis dahin ein System beibehält und es gezielt ausbaut, dann sehe ich schwarz für diese Saison. Das mit der Championsleague klappt ohnehin nur noch mit viel Glück, und auch in der Bundesliga wird der Abstand zur Spitze nicht kleiner mit solchen Ergebnissen.
Nächsten Donnerstag ist Jahreshauptversammlung. Dann wird Hoeneß Präsident werden, Beckenbauer wird es endlich nicht mehr sein aber sonst wird sich dadurch wohl wenig ändern.